Privatisierung und Umbau
der Justizanstalt Wels






Neues Gefängnis für alle
Entsprechend dem Motto "Build and they will come",
mit dem ein mit EUCC in Kontakt stehender US-amerikanischer Gefängniskonzern
seine Expansionspläne beschreibt, plant EUCC den Umbau der Justizanstalt
Wels. Durch den Neubau von zwei Gefängnisgebäuden wird die Anzahl
der Haftplätze von 156 auf über 300 erhöht. Der Staat kann nun noch
mehr Menschen einsperren. In den letzten beiden Jahren stieg die
Anzahl der Häftlinge in Österreich bereits um zehn Prozent an. Nach
Aussagen des Justizministers plant Österreich den Ausbau der Haftanstalten.
Effizienter Umbau
EUCC verfolgt das Ziel, in Europa Gefängnisse
mit hohem Fassungsvermögen zu bauen. Kosteneffizienz und wirtschaftliche
Rentabilität stehen an erster Stelle. Innerhalb des Areals der Justizanstalt
Wels werden daher auf den unrentablen landwirtschaftlich genutzten
Flächen neue Gefängnistrakte und Fertigungshallen gebaut, das Biotop
im Gefängnishof wird durch einen betonierten Sportplatz ersetzt.
Win-Win-Situation
Obwohl die Anzahl der Häftlinge mehr als verdoppelt
wird, kann EUCC Justizwachebeamte einsparen. Der Staat wird EUCC
pro Häftling bezahlen, EUCC wird hohe Gewinne erzielen. Die Häftlinge
in der Justizanstalt Wels werden verpflichtet sein, gegen geringen
Lohn zu arbeiten. Die Insassen werden ausschließlich in Geschäften
in der Justizanstalt einkaufen können, die als Tochtergesellschaften
von EUCC betrieben werden. Damit ist sichergestellt, dass der Lohn
der Häftlinge großteils an das Unternehmen zurückfließt.
Unternehmensneugründungen
Die Gefangenen der Justizanstalt Wels werden Waren
nur mehr in von EUCC betriebene Geschäften kaufen können. Die Waren
werden den Gefangenen gegen Vorbestellung ausgehändigt, um kostspielige
Lagerhaltung zu vermeiden. Nach dem Vorbild britischer Gefängnisse
wird es Besuchern untersagt sein, den Häftlingen Süßigkeiten oder
Hygieneartikel mitzubringen; so sollen die Profite von EUCC in der
Justizanstalt maximiert werden.
In-cell TV für alle
Private Fernsehgeräte der Insassen werden aus
Sicherheitsgründen eingezogen. Wie es bereits in privatisierten
Gefängnissen in Großbritannien üblich ist, werden Fernsehgeräte
gegen eine Gebühr verliehen, damit die Häftlinge die für den Strafvollzug
besonders geeigneten Informations- und Unterhaltungsprogramme des
"In-cell TV" empfangen können. Auf diese Weise sollen die Insassen
kontrolliert und beschäftigt werden; damit leistet EUCC einen Beitrag
zum reibungslosen Ablauf des Strafvollzugs.
Wirtschaftsstandort Österreich
EUCC strebt Kooperationen mit Unternehmen wie
Microsoft, IBM, Boeing und Textilfirmen an, die wie in US-Gefängnissen
in der Justizanstalt Wels Fertigungsanlagen errichten sollen. Die
österreichische Regierung ist gefordert, dafür die nötigen gesetzlichen
Rahmenbedingungen zu schaffen. So produziert Microjet, ein Tochterunternehmen
von Boeing, erfolgreich in einem Gefängnis in den USA Zulieferteile
für den Flugzeugbau. Die Gefangenen werden mit weniger als einem
Dollar pro Stunde für ihre Arbeit entlohnt.
Häftlingsarbeit als Zukunftschance
Die Häftlinge sind verpflichtet zu arbeiten. Ihr
Lohn beträgt einen Bruchteil dessen, was Beschäftigte außerhalb
des Gefängnisses für die gleiche Arbeit bekommen. Je mehr in österreichischen
Gefängnissen produziert wird, desto billiger und konkurrenzfähiger
werden österreichische Produkte. Häftlinge in US-amerikanischen
Gefängnissen produzieren jährlich Waren im Wert von neun Milliarden
Dollar.
Garantierter Gewinn
Private Unternehmen erwirtschaften durch Gefängnisarbeit
enorme Profite, allein in Großbritannien mehr als 50 Millionen Pfund
jährlich. EUCC verfolgt in Österreich folgende Unternehmensstrategie:
Statt teurer Resozialisierungskonzepte, durch die die Insassen wieder
in die Gesellschaft eingegliedert werden sollen, werden durch Zwangsarbeit
und Maximierung der Gefangenenzahlen Gefängnisse in Profit-Center
umgewandelt. Das ist in Zeiten, in welchen die Budgetkonsolidierung
Priorität hat, eine Selbstverständlichkeit.
Investitionen durch Gesetzesänderungen
Damit EUCC auch in Zukunft in Österreich sinnvoll
investieren und weitere Haftanstalten bauen kann, wird das Unternehmen
mit der österreichischen Regierung verhandeln. EUCC strebt gesetzliche
Regelungen wie in Kalifornien an. Wer nach zwei Gefängnisaufenthalten
zu einer dritten Gefängnisstrafe verurteilt wird, kann auch für
ein kleines Vergehen lebenslänglich eingesperrt werden. Durch die
geringere Rotation in den Zellen und die längere Verweildauer spart
EUCC Kosten und erhöht die Rentabilität.
Kostenersparnis
Die Unternehmensphilosophie von EUCC ist es, die
Räume der Gefangenen in kleine, käfigähnliche Zellen aufzuteilen.
Die Zeit der Umschlüsse, in denen sich die Gefangenen auch außerhalb
ihrer Zelle bewegen können, wird möglichst gering gehalten. Das
spart Personal und somit Kosten.
Gefängnisneubau belebt die Wirtschaft
In den USA setzen renommierte Banken wie Goldman
Sachs und Merrill Lynch jährlich zwei bis drei Milliarden Dollar
mit Investmentfonds für den Neubau privater Haftanstalten um. Die
Konzerne American Express und General Electrics sind bereits als
millionenschwere Investoren bei privaten Gefängnissen in Oklahoma
und Tennessee aufgetreten. Telekommunikationsunternehmen wie AT&T,
Sprint und MCI streben Exklusivverträge an, denn durch die Monopolstellung
in den Haftanstalten kann man von den Gefängnisinsassen das Sechsfache
des üblichen Preises für ein Ferngespräch verlangen. EUCC verhandelt
bereits mit zahlreichen europäischen Investoren, um dieses Erfolgsmodell
auch hierzulande zu etablieren.
Expansion nach Deutschland
EUCC schließt sich der offensiven Werbekampagne
der Corrections Corporation of America an: "Wir helfen Landesregierungen
in Deutschland, um der auch in Zukunft steigenden Wachstumsrate
der Kriminalität und besonders der Gewaltverbrechen, der Jugend-
und Kinderkriminalität auch nur einigermaßen gewachsen zu sein.
Deshalb unterbreiten wir Ihrer Regierung vertrauensvoll unsere kompletten
Anstaltsprojekte mit sehr günstigen und langjährigen Pachtverträgen
und sehr speziellen Dienstleistungen."
Auszug aus einem Schreiben der Corrections Corporation of America
an die Justizverwaltungen der deutschen Bundesländer
Privatisierung auf dem europäischen Kontinent
EUCC wird sich wie andere Konzerne für die vollständige
oder teilweise Gefängnisprivatisierung in Europa einsetzen. Auch
Österreich soll die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Die französische
Regierung vergibt bereits Aufträge in der Höhe von 1,4 Milliarden
Euro zur Errichtung von 28 neuen Gefängnissen mit 13.200 Haftplätzen.
Private Konzerne werden die Haftanstalten finanzieren, planen und
bauen, die dann von der Regierung auf 30 Jahre geleast werden.
Sicherheit mit Zukunft
EUCC wird die derzeitige Anzahl der Überwachungskameras
in der Justizanstalt Wels vervierfachen. Moderne CCTV-Überwachungssysteme
werden die Haftinsassen rund um die Uhr kontrollieren, dafür wird
das Personal gezielt für die neuen Technologien umgeschult. Es wird
eine effizientere Kontrolle bei reduziertem Personalstand angestrebt.
Disziplin und Kontrolle
Nach dem Vorbild des von einem Tochterunternehmen
des US-Konzerns Wackenhut betriebenen britischen Gefängnisses in
Doncaster werden Zellen mit standardisierten Anschlüssen ausgestattet,
um nach Möglichkeit Wasser oder Tränengas zur Bekämpfung aufständischer
Gefangener einleiten zu können.
Lukrative Geschäfte mit Gefängniskantinen
Wie lukrativ das Geschäft mit Gefängnissen ist,
zeigt das US-Unternehmen Aramark. Aramark ist spezialisiert auf
Catering und die Reinigung von Gefängnissen. Der jährliche Umsatz
beträgt 7,3 Milliarden Dollar. In den letzten sechs Jahren wurde
ein Gewinn von über 1,6 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Sobald
Aramark eine Gefängniskantine übernimmt, steigen die Preise, manchmal
sogar bis auf das Doppelte. Die Gefangenen werden gezwungen, die
Gefängnisrationspakete herzustellen oder in der Gefängniskantine
zu arbeiten. EUCC strebt für die Justizanstalt Wels einen dauerhaften
Vertrag mit Aramark an.