Privatisierung und Umbau
der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim






Neues Gefängnis für alle
Entsprechend dem Motto ”Build and they will
come”, mit dem ein mit EUCC in Kontakt stehender US-amerikanischer
Gefängniskonzern seine Expansionspläne beschreibt, plant
EUCC den Umbau der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim.
Durch den Neubau von zwei Gefängnisgebäuden wird die Anzahl
der maximalen Haftplätze von 2118 auf über 4100 erhöht.
Der Staat kann nun noch mehr Menschen einsperren, da die in der
JVA München-Stadelheim praktizierte doppelte Belegung von Einzelzellen
beibehalten wird.
Effizienter Umbau
EUCC verfolgt das Ziel, in Europa Gefängnisse
mit hohem Fassungsvermögen zu bauen. Kosteneffizienz und wirtschaftliche
Rentabilität stehen an erster Stelle. Innerhalb des 14 ha großen
Areals der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim werden
daher auf den unrentablen für Freizeitaktivitäten genutzten
Flächen neue Gefängnistrakte und Fertigungshallen gebaut.
Die Anstaltskirche im Zentrum des alten Gefängniskomplexes
wird geschliffen und durch einen Strafbunker ersetzt, in den renitente
Gefangene gesperrt werden.
Win-Win-Situation
Obwohl die Anzahl der Häftlinge verdoppelt
wird, kann EUCC Wachpersonal einsparen. Der Staat wird EUCC pro
Häftling bezahlen, EUCC wird hohe Gewinne erzielen. Die Häftlinge
in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim werden verpflichtet,
gegen geringen Lohn zu arbeiten. Die Insassen werden ausschließlich
in Geschäften in der Justizanstalt einkaufen können, die
als Tochtergesellschaften von EUCC betrieben werden. Damit ist sichergestellt,
dass der Lohn der Häftlinge Großteils an das Unternehmen
zurückfließt.
Unternehmensneugründungen
Die Gefangenen der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim
werden Waren nur mehr in von EUCC betriebene Geschäften kaufen
können. Die Waren werden den Gefangenen gegen Vorbestellung
ausgehändigt, um kostspielige Lagerhaltung zu vermeiden. Nach
dem Vorbild britischer Gefängnisse wird es Besuchern untersagt
sein, den Häftlingen Süßigkeiten oder Hygieneartikel
mitzubringen; so sollen die Profite von EUCC in der Justizvollzugsanstalt
maximiert werden.
In-cell TV für alle
Wie bereits in der JVA München-Stadelheim
üblich, werden Fernsehgeräte auch weiterhin gegen eine
Gebühr verliehen. Die Häftlinge werden erstmals die Möglichkeit
haben, wie in Großbritannien die für den Strafvollzug
besonders geeigneten Informations- und Unterhaltungsprogramme des
”In-cell TV” empfangen zu können. Auf diese Weise
sollen die Insassen kontrolliert und beschäftigt werden; damit
leistet EUCC einen Beitrag zum reibungslosen Ablauf des Strafvollzugs.
Wirtschaftsstandort Bayern
EUCC strebt Kooperationen mit Unternehmen wie
Microsoft, IBM, Boeing und Textilfirmen an, die wie in US-Gefängnissen
in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim Fertigungsanlagen
errichten sollen. Die Landesregierung ist gefordert, dafür
die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. So
produziert Microjet, ein Tochterunternehmen von Boeing, erfolgreich
in einem Gefängnis in den USA Zulieferteile für den Flugzeugbau.
Die Gefangenen werden mit weniger als einem Dollar pro Stunde für
ihre Arbeit entlohnt.
Häftlingsarbeit als Zukunftschance
Die Häftlinge sind verpflichtet zu arbeiten
und bekommen dafür bereits in der staatlichen JVA München-Stadelheim
weniger als zwei Euro pro Stunde. Ihr Lohn beträgt damit einen
Bruchteil dessen, was Beschäftigte außerhalb des Gefängnisses
für die gleiche Arbeit bekommen. EUCC plant, die Arbeitspflicht
für Häftlinge auszuweiten und effizienter zu gestalten.
Denn je mehr in bayrischen Gefängnissen produziert wird, desto
billiger und konkurrenzfähiger werden bayrische Produkte. Häftlinge
in US-amerikanischen Gefängnissen produzieren bereits jährlich
Waren im Wert von neun Milliarden Dollar.
Garantierter Gewinn
Private Unternehmen erwirtschaften durch Gefängnisarbeit
enorme Profite, allein in Großbritannien mehr als 50 Millionen
Pfund jährlich. EUCC verfolgt in Bayern folgende Unternehmensstrategie:
Statt den noch verbliebenen teuren Resozialisierungskonzepten, durch
die die Insassen wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden
sollen, werden durch Zwangsarbeit und Maximierung der Gefangenenzahlen
Gefängnisse in Profit-Center umgewandelt. Das ist in Zeiten,
in welchen die Budgetkonsolidierung Priorität hat, eine Selbstverständlichkeit.
Investitionen durch Gesetzesänderungen
Damit EUCC auch in Zukunft in Bayern sinnvoll
investieren und weitere Haftanstalten bauen kann, wird das Unternehmen
mit der bayrischen Landesregierung verhandeln. EUCC strebt gesetzliche
Regelungen wie in Kalifornien an. Wer nach zwei Gefängnisaufenthalten
zu einer dritten Gefängnisstrafe verurteilt wird, kann auch
für ein kleines Vergehen lebenslänglich eingesperrt werden.
Durch die geringere Rotation in den Zellen und die längere
Verweildauer spart EUCC Kosten und erhöht die Rentabilität.
Kostenersparnis
Die Unternehmensphilosophie von EUCC ist es, die
Räume der Gefangenen in kleine, käfigähnliche Zellen
aufzuteilen. Die Zeit der Umschlüsse, in denen sich die Gefangenen
auch außerhalb ihrer Zelle bewegen können, wird möglichst
gering gehalten. So soll auch die bisher übliche Besuchszeit
von 20 – 30 Minuten pro Gefangenen und Monat auf maximal 10
Minuten reduziert werden. Das spart Personal und somit Kosten.
Gefängnisneubau belebt die Wirtschaft
In den USA setzen renommierte Banken wie Goldman
Sachs und Merrill Lynch jährlich zwei bis drei Milliarden Dollar
mit Investmentfonds für den Neubau privater Haftanstalten um.
Die Konzerne American Express und General Electrics sind bereits
als millionenschwere Investoren bei privaten Gefängnissen in
Oklahoma und Tennessee aufgetreten. Telekommunikationsunternehmen
wie AT&T, Sprint und MCI streben Exklusivverträge an, denn
durch die Monopolstellung in den Haftanstalten kann man von den
Gefängnisinsassen das Sechsfache des üblichen Preises
für ein Ferngespräch verlangen. EUCC beabsichtigt, die
bestehende erfolgreiche Kooperation der JVA München-Stadelheim
mit der Agfa Vertriebsgesellschaft auszubauen. EUCC verhandelt dazu
bereits mit zahlreichen europäischen Investoren, um diese Erfolgsmodelle
auch hierzulande gewinnbringender zu etablieren.
Expansion in weitere deutsche Bundesländer
EUCC schließt sich der offensiven Werbekampagne
der Corrections Corporation of America an:
”Wir helfen Landesregierungen in Deutschland, um der auch
in Zukunft steigenden Wachstumsrate der Kriminalität und besonders
der Gewaltverbrechen, der Jugend- und Kinderkriminalität auch
nur einigermaßen gewachsen zu sein. Deshalb unterbreiten wir
Ihrer Regierung vertrauensvoll unsere kompletten Anstaltsprojekte
mit sehr günstigen und langjährigen Pachtverträgen
und sehr speziellen Dienstleistungen.”
Auszug aus einem Schreiben der Corrections Corporation of America
an die Justizverwaltungen der deutschen Bundesländer
Privatisierung auf dem europäischen Kontinent
EUCC wird sich wie andere Konzerne für die
vollständige oder teilweise Gefängnisprivatisierung in
Europa einsetzen. Auch Deutschland soll die nötigen Rahmenbedingungen
schaffen. Die französische Regierung vergibt bereits Aufträge
in der Höhe von 1,4 Milliarden Euro zur Errichtung von 28 neuen
Gefängnissen mit 13.200 Haftplätzen. Private Konzerne
werden die Haftanstalten finanzieren, planen und bauen, die dann
von der Regierung auf 30 Jahre geleast werden.
Sicherheit mit Zukunft
EUCC wird die derzeitige Anzahl der Überwachungskameras
in der Justizanstalt Wels vervierfachen. Moderne CCTV-Überwachungssysteme
werden die Haftinsassen rund um die Uhr kontrollieren, dafür wird
das Personal gezielt für die neuen Technologien umgeschult. Es wird
eine effizientere Kontrolle bei reduziertem Personalstand angestrebt.
Disziplin und Kontrolle
Nach dem Vorbild des von einem Tochterunternehmen
des US-Konzerns Wackenhut betriebenen britischen Gefängnisses
in Doncaster werden die von EUCC neu errichteten Zellen mit standardisierten
Anschlüssen ausgestattet, um nach Möglichkeit Wasser oder
Tränengas zur Bekämpfung aufständischer Gefangener
einleiten zu können. Bei besonders unfolgsamen Gefangenen nutzt
EUCC die bereits eingerichteten Strafzellen in der JVA München-Stadelheim.
Sie werden nach der bayerischen Tradition wie bisher bis zu 4 Wochen
in Zellen gesperrt, in denen sich nur eine Schlafstätte, eine
sanitäre Einrichtung und eine Bibel befindet.
Lukrative Geschäfte mit Gefängniskantinen
Wie lukrativ das Geschäft mit Gefängnissen
ist, zeigt das US-Unternehmen Aramark. Aramark ist spezialisiert
auf Catering und die Reinigung von Gefängnissen. Der jährliche
Umsatz beträgt 7,3 Milliarden Dollar. In den letzten sechs
Jahren wurde ein Gewinn von über 1,6 Milliarden Dollar erwirtschaftet.
Sobald Aramark eine Gefängniskantine übernimmt, steigen
die Preise, manchmal sogar bis auf das Doppelte. Die Gefangenen
werden gezwungen, die Gefängnisrationspakete herzustellen oder
in der Gefängniskantine zu arbeiten. EUCC strebt für die
Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim einen dauerhaften
Vertrag mit Aramark an.