European Corrections Corporation
Ein Projekt von Martin Krenn & Oliver Ressler
Container-Installation in Graz
Die
Institution Gefängnis ist ein Instrument der Disziplinierung, der
Bestrafung und des Ausschlusses und fungiert als Agent der Kontrolle
und Normierung. In der heutigen Gesellschaft kommt dem Gefängnis
zudem eine wichtige Rolle als ökonomischer Produktionsort zu, an
welchem die Gefangenen zu Niedrigstlöhnen arbeiten müssen. Davon
profitiert vor allem die sich immer weiter ausbreitende private
Gefängnisindustrie.
Seit den 80er Jahren erzielen in den USA Konzerne
wie Wackenhut und Corrections Corporation of America (CCA) durch
die Errichtung und den Betrieb von Gefängnisanstalten hohe Profite.
In den letzten Jahren gewinnen sie auch in Europa immer mehr an
Einfluss. Sie betrachten den europäischen Markt als Wachstumsbranche,
an der sie so früh wie möglich teilhaben wollen. CCA forciert den
Bau und Betrieb von teilprivatisierten Gefängnissen in Frankreich.
Wackenhut und CCA bauen und betreiben außerdem bereits seit mehr
als zehn Jahren Gefängnisanlagen in Großbritannien. Dort wurde seit
der Öffnung des Gefängnissystems für private Konzerne kein einziges
staatliches Gefängnis mehr errichtet.
Das Projekt "European Corrections Corporation"
fokussiert das Phänomen der voranschreitenden Privatisierung von
Gefängnissen in Europa und stellt die Institution Gefängnis in Frage.
In der Fußgängerzone in der Grazer Innenstadt wird ein begehbarer
605 x 243 x 259 cm großer Container platziert, der von einer bedruckten
Plane ummantelt ist. Auf der Plane ist eine detaillierte mit Texten
kommentierte CAD-Grafik zu sehen, die die mögliche zukünftige Privatisierung
und den Umbau der Strafanstalt Graz-Karlau durch einen privatwirtschaftlichen
Konzern visualisiert. Wie reale Konzerne versucht EUCC (European
Corrections Corporation), das Gefängnis als deterritorialisierten
Produktionsort innerhalb der kapitalistischen Ökonomie zu nutzen
und stellt ein Modell für die gewinnbringende Verwertung der Arbeitskraft
der Gefangenen vor. So sollen durch einen Neubau von zwei Gefängnisgebäuden
in der Strafanstalt Graz-Karlau die Haftplätze verdoppelt werden.
Im Inneren des Containers wird ein 17 minütiges
Video projiziert, das auf einem Interview mit dem britischen Aktivisten
Mark Barnsley basiert. Barnsley war acht Jahre lang in 22 verschiedenen
privaten und staatlichen Gefängnissen in Großbritannien eingesperrt,
und hat dort konsequent die Arbeit verweigert. Mark Barnsley zeigt
auf, dass sowohl staatlich als auch privat geführte Gefängnisse
den Vorstellungen von Kriminalität als Krankheit und als soziales
Übel unterliegen, die sie als Disziplinierungsmaschinen mit Gewalt
aufrecht zu erhalten versuchen. Das Video thematisiert die Funktion
und den Wandel der Institution Gefängnis und zeigt Möglichkeiten
des Widerstandes in und außerhalb der Gefängnisse auf.
Die Container-Installation ist von 24. Mai
bis 26. Oktober 2003 als Teil des Ausstellungsprojekts "real*
utopia" des im Rahmen der Kulturhauptstadt Graz 2003 in
der Annenstraße/Nähe Südtirolerplatz zugänglich.